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„Die wilde Bühne“ gastierte zum Start des Braunschweiger Aktionsjahres „Sucht“ im Jugendzentrum Neustadtmühle – 300 beeindruckte Schülerinnen und Schüler sahen „schwefelgelb“, ein Stück angelehnt an van Goghs Biografie

Beeindruckend, authentisch, hautnah, ausdrucksstark, bewegend. So spielten ehemalige drogenabhängige Laienschauspielerinnen und Schauspieler des Theaterensembles der „Wilden Bühne“ die Geschichte von Vincent, angelehnt an das Leben des Malers van Gogh. Vincent, ein erfolgloser, junger Künstler, leidet unter der Angst, abgelehnt zu werden, nichts wert zu sein. Dieses Gefühl wird durch Äußerungen seines Vaters, er sei ein Taugenichts und eine Schande für die Familie, verstärkt. Negative, dunkle Stimmen - im Stück als bedrohliche Raben dargestellt – bläuen Vincent sein Versagen immer mehr ein. Immer düsterer werden seine Gedanken, immer stärker wird die Angst zu versagen, immer weiter gerät Vincent in die Isolation und immer mehr verliert er den Bezug zur Wirklichkeit. Am Ende ist für Vincent der Selbstmord sein einziger Ausweg.

300 Braunschweiger Haupt-, Realschüler, Gymnasiasten, Lehrerinnen und Lehrer sahen das bewegende Stück, das im Rahmen des Aktionsjahres Sucht gezeigt wurde. Organisiert und initiiert wurde die Theateraufführung von der Jugend- und Drogenberatungsstelle des Paritätischen.

Besonders beeindruckend und mit viel Applaus gezollt war die anschließende Gesprächsrunde. Offen antworteten die Schauspieler auf Fragen aus dem Publikum, berichteten eindrucksvoll und ganz direkt von ihren Suchtkarrieren. Und zugegebenermaßen fiel es den Betroffenen nicht unbedingt leicht, vor großen Publikum aus ihrem Leben zu erzählen,

Mit 14 Jahren hat Hauptdarsteller René angefangen zu trinken, später kamen alle möglichen anderen Drogen dazu. Er kennt es, wie Vincent in dem Stück, nur zu gut, nicht verstanden zu werden, immer auf der Suche zu sein. Und auch die Stimmen, die innere Zerrissenheit sind ihm nicht fremd. Immer weiter ging der Weg auf der Einbahnstraße nach unten. Erst als er total am Boden war, keine Freunde, kein Geld mehr und sich selbst gehasst hat, kam die Einsicht, Hilfe anzunehmen.

Auf die Frage, wieso sie überhaupt Drogen genommen haben, antwortet Detlev aus der Protagonistenrunde: "Ihm habe die Orientierung und die väterliche Leitfigur gefehlt." Mit dem Drogenkonsum hoffte er unterbewusst, sein Selbstbewusstsein aufzupolieren. Gelungen ist es ihm damit nicht. „Den richtigen Weg zu finden, das geht nicht mit Drogen“, weiß Detlev genau. Er hat es geschafft. Seit einem Jahr ist er clean.

Was hält sie clean, wollen die jungen Theaterbesucher wissen: Für Jens ist es die Sehnsucht nach dem Leben und seine kleine Tochter. Und wie für ihn, gilt es auch für alle anderen der "Wilde Bühne-Schauspieler": Das Leben mit anderen Themen auszufüllen, Musik, Theater, Kreativität, Freunde und Familie. Das hilft. René beispielsweise hat inzwischen angefangen zu studieren. Theaterpädagogik.

Auch die Frage, wie man helfen kann, beschäftigt die Schülerinnen und Schüler: „Nicht helfen ist die beste Hilfe, sagen die Betroffenen.  Kein Geld geben, wen ein Drogenabhängiger darum bittet, kein Verständnis für Ausflüchte und Versprechungen haben, die wiederholt nicht eingehalten werden. Aber dennoch: Nicht wegsehen, sondern die Probleme ansprechen.

Weitere Informationen zur "Wilden Bühne" gibt es auf der Internetseite <link http: www.wilde-buehne.de more-link>www.wilde-buehne.de