Ein Pflegebett voller Aktenordner stand symbolhaft auf dem Braunschweiger Schlossplatz um auf die steigende, überbordende Bürokratie in der Pflege aufmerksam zu machen. Vertreter von Sozialverbänden, Vereinen und Gewerkschaften machten im Rahmen der bundesweiten Aktionswochen des "Bündnisses für gute Pflege" mit der Kundgebung auf die Missstände in der Pflegebranche aufmerksam. Auf langen Bodenzeitungen wurden zudem die unterschiedlichsten Forderungen aufgelistet.
Das Bündnis fordert unter anderem eine maßgeschneiderte Pflege für bedürftige Menschen und eine Stärkung der häuslichen Pflege.
„Die Situation ist nicht mehr hinnehmbar“, sagte Meike Janßen, Sprecherin vom Sozialverband Niedersachsen (SoVD)und forderte bessere Rahmenbedingungen. Eine selbstbestimmte und qualitativ hochwertige Pflege sowie häusliche Versorgung ist eine der Forderung des Bündnisses für gute Pflege. Dazu gehöre eine umfassende und unabhängige Beratung und Hilfestellung, genauso wie eine Stärkung des Bereichs der häuslichen Pflege, bestätigt Edda Schliepack, SoVD-Landesvize und Vorsitzende in Braunschweig. An Demenz erkrankte Menschen würden vom jetzigen System besonders benachteiligt. „Deshalb fordere das Bündnis für gute Pflege, den Pflegebedürftigkeitsbegriff endlich zu erweitern und im Sinne der Vorschläge des Expertenbeirats einzuführen.
Hilfe- und pflegebedürftige Menschen benötigten eine starke Lobby gegenüber Politik und Gesellschaft. Deshalb sei die Mitwirkung der maßgeblichen Verbände für die Wahrnehmung der Interessen und der Selbsthilfe der pflegebedürftigen und behinderten Menschen auf allen Ebenen zu stärken, betonte Henning Eschemann, Geschäftsführer beim Paritätischen Braunschweig. Pflegende Angehörige bräuchten Unterstützung und gesellschaftliche Anerkennung für das, was sie tun. Dem konnte Andrea Friedrich, Pflegerin bei den Paritätischen Diensten nur beipflichten. Auch sie kritisierte die steigenden Dokumentationsaufgaben sowie den täglichen Zeitdruck. Es gehe um würdevolle Pflege und die Wertschätzung für die Pflegenden, sagte Andrea Friedrich und fügte hinzu: "Wir pflegen alle gerne. Aber die Bedingungen müssen sich deutlich bessern, damit der Beruf attraktiver wird."
„Gute Pflege hat ihren Preis und braucht mehr Solidarität. Auf gute Pflege haben alle ein Recht, sie darf nicht arm machen. Deshalb muss die Finanzierung solidarisch und paritätisch erfolgen und nicht einseitig zu Lasten der Versicherten gehen“, so Edda Schliepack
Hans Golmann, Geschäftsführer von ambet forderte eine umfassende Neuorganisation in der Pflege. Mehr Investitionen in die Pflege alter Menschen, Entbürokratisierung, bessere Arbeitsbedingungen, mehr Personal sowie mehr Ausbildung und qualitative Rahmenbedingungen sind deshalb zentrale Forderungen des Bündnisses für gute Pflege.
Das „Bündnis für gute Pflege“ besteht in Braunschweig unter anderem aus ambet e.V., dem Paritätischen Braunschweig mit den Paritätischen Diensten Braunschweig, Prosenis, dem Wohnpark am Wall und dem Deutschen Roten Kreuz.
Weitere Informationen zum Bündnis und den Forderungen sind unter <link http: www.buendnis-fuer-gute-pflege.de more-link>www.buendnis-fuer-gute-pflege.de zu finden.



