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Pressemitteilung zum Aktionstag Suchtberatung: Drei Viertel der Einrichtungen können Kosten nicht decken – Zugang zu Unterstützung und Prävention muss dauerhaft erhalten bleiben!

Logo der Jugend- und Drogenberatung

Heute, am 14. November 2024, findet der fünfte bundesweite Aktionstag Suchtberatung unter dem Schwerpunktthema „Suchtberatung stärken – Gesundheit schützen“ statt. Der Paritätische Niedersachsen warnt zusammen mit seinen Tochtergesellschaften, darunter dem Paritätischen Braunschweig und der Paritätischen Suchthilfe Niedersachsen, vor den Folgen der unsicheren Finanzierung dieser wichtigen Angebote: „Die jährlichen Finanzierungsengpässe bedrohen die Existenz von Suchtberatungsstellen und gefährden somit auch die Gesundheit vieler Betroffener“, sagt Kerstin Tack, Vorsitzende des Paritätischen Niedersachsen.

Aktuell sind in Niedersachsen 75 Suchtberatungsstellen und etwa 40 Nebenstellen tätig. Dennoch haben immer mehr dieser Beratungsstellen mit stagnierenden oder gekürzten finanzieller Hilfen zu kämpfen.

Auch die Jugend- und Drogenberatung Braunschweig in Trägerschaft des Paritätischen ist davon betroffen. „Wir stehen vor der schwierigen Entscheidung, welche Angebote zukünftig eingeschränkt und gekürzt werden müssen. Ein Abbau der Beratungsleistungen bedeutet unter anderem weniger Hilfen für Betroffene und Angehörige, weniger Vermittlung in weitergehende Hilfen, weniger Schadensminimierung und somit letztendlich erhöhte Mehrkosten für die Öffentlichkeit. Eine Reduzierung der Präventionsangebote bei steigender Nachfrage hätte zur Folge, dass weniger Informationsvermittlung, weniger Aufklärung und Schaffung von Problembewusstsein, weniger Vermittlung von Strategien in Umgang mit suchtspezifischen Themen stattfinden würden. Kurz: erhöhte Mehrkosten für die Öffentlichkeit“, schildert Lars Fischer, Abteilungsleiter des Drogen- und Suchthilfebereichs beim Paritätischen Braunschweig. Zudem würden eingeschränkte Öffnungszeiten des „Café Relax“, dem niedrigschwelligen Tagestreff der DROBS, zu einer sofortigen Mehrbelastung der Öffentlichkeit mit den bekannten Problemen rund um die Beratungsstelle führen und damit auch einen erschwerten Zugang zu Drogenkonsumenten bedeutet. 

Die Dringlichkeit des Erhalts und der Förderung der Suchthilfe wird besonders im Hinblick auf steigende Suchtzahlen deutlich: In Deutschland haben über 35 % der Erwachsenen bereits Erfahrungen mit illegalen Drogen gemacht; unter den 18- bis 25-Jährigen ist es nahezu jede zweite Person. Die Zahl der Drogentoten steigt seit 2021 kontinuierlich an, und das Einstiegsalter beim Konsum von Drogen, wie etwa Cannabis, sinkt. Auch angesichts der neuen Cannabisgesetzgebung ist eine ausreichende Suchtprävention unerlässlich, um problematische Konsummuster frühzeitig zu verhindern.

Der Aktionstag Suchtberatung am 14. November trägt daher eine zentrale Botschaft, formuliert von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS): „Suchtberatung: KOMMUNAL WERTVOLL!“ Denn: „Ein flächendeckendes Netz an Beratungsangeboten schützt nicht nur die Gesundheit der Einzelnen, sondern entlastet auch das Gesundheitssystem und die Gesellschaft insgesamt. So zeigt eine Studie aus Bayern, dass jeder in die Suchtberatung investierte Euro langfristig 17 Euro an öffentlichen Geldern einspart“, stellt Kerstin Tack klar.

Der fünfte Aktionstag Suchtberatung möchte erneut Politik und Öffentlichkeit wachrütteln und fordert eine nachhaltige und gesicherte Finanzierung der Suchthilfe. Wir unterstützen diese Forderungen in aller Deutlichkeit: „So sehr wir uns über die Berücksichtigung einer höheren Förderung über die sogenannte Politische Liste freuen: Niedersachsens Suchtberatungsstellen brauchen endlich eine verbindliche und auskömmliche Finanzierung, die sich auch dauerhaft in den Landes- und Kommunalhaushalten abbilden muss. Der Zugang zu Unterstützung und Prävention muss allen Menschen – unabhängig von ihrem Wohnort – dauerhaft erhalten bleiben!“, so Kerstin Tack.