Rund 140 Menschen, ein voll besetzter Roter Saal und ein Thema, über das noch immer viele Vorurteile bestehen: Am Dienstag, 20. Oktober, las Joelle Westerfeld im Schloss aus ihrem Buch „Extrem Fühlen – mein schrecklich schönes Leben mit Borderline“. Die von der KIBiS organisierte, kostenfreie Lesung fand im Rahmen der Woche der seelischen Gesundheit statt und stieß auf große Resonanz.
Offen, ungeschönt und zugleich mit einem liebevollen Blick auf sich selbst nahm Joelle Westerfeld das Publikum mit in ihr Leben mit der Borderline-Persönlichkeitsstörung. Sie sprach über ihren Weg zur Diagnose, über die Herausforderungen im Alltag und darüber, wie die Erkrankung ihre Beziehungen zu Familie, Freund*innen und Partner*innen prägt. Dabei ging es auch um hartnäckige Vorurteile: Menschen mit Borderline seien beziehungsunfähig oder manipulativ. Mit ihrer persönlichen Geschichte setzte Westerfeld diesen Vorurteilen etwas entgegen – und zeigte, wie vielschichtig das Leben mit der Erkrankung ist.
Der Abend bewegte: Es wurde gelacht, geweint und aufmerksam zugehört und sich der der schonungslosen Realität der Erkrankung gestellt. Betroffene, Angehörige und Fachleute begegneten dem Thema aus unterschiedlichen Perspektiven. Bei aller Offenheit für die schwierigen Seiten der Erkrankung blieb eine Botschaft besonders präsent: Es gibt immer Hoffnung. Borderline ist eine ernst zu nehmende psychische Erkrankung, für die gute Behandlungsmöglichkeiten bestehen. Mit geeigneter therapeutischer Unterstützung können sich die Symptome, die in der Jugend und im jungen Erwachsenenalter stark ausgeprägt sind, deutlich verbessern; auch der langfristige Verlauf kann positiv sein. Nach einigen Jahren in therapeutischer Behandlung erfüllen viele Betroffene die Diagnosekriterien sogar nicht mehr.
Dass das Interesse weit über die Lesung hinausging, zeigte sich beim anschließenden Austausch. Joelle Westerfeld nahm sich viel Zeit für die Fragen des Publikums – zunächst in großer Runde, später auch in persönlichen Gesprächen. So entstand Raum für individuelle Anliegen, neue Perspektiven, Impulse und Begegnungen auf Augenhöhe.
Vielen Dank für diesen informativen und zugleich emotionalen Abend, die persönlichen Einblicke und dieses besondere Erlebnis im Rahmen der Woche der seelischen Gesundheit an alle Beteiligten!
Wir bedanken uns herzlich bei Joelle Westerfeld für ihre Offenheit, die persönlichen Einblicke und den wertvollen Austausch. Unser Dank gilt ebenso allen, die diesen Abend möglich gemacht haben: insbesondere der AOK Niedersachsen, deren Förderung die Veranstaltung unterstützt hat, sowie dem Bücherwurm für den Büchertisch. Das war ein bewegendes und besonderes Erlebnis im Rahmen der Woche der seelischen Gesundheit.
Über Joelle Westerfeld
Joelle Westerfeld, Jahrgang 1997, arbeitet als freie Journalistin in Hamburg und Frankfurt. Sie beschäftigt sich insbesondere mit Körperakzeptanz, mentaler Gesundheit und Feminismus. Auf ihrem Instagram-Account @joellewesterfeld spricht sie regelmäßig über mentale Gesundheit, Queerness und ihr Leben mit Borderline. Mehr als 11.000 Menschen folgen ihr bereits dabei.


